Online Schachclub erreicht Halbfinale der DSOL durch Sieg gegen SchVgg Blankenese II

Anfang August 2020 gab es einige heiße Tage und ich machte es mir zur Gewohnheit in die Bremerhavener Bürger zu schlendern, um im ‚Schach Café Bürger‘ täglich Schachrätsel zu lösen und bei einem leckeren türkischen Kaffee, den mir mein freundlicher Gastgeber anbot, zu entspannen.

Abendliche Schachübungen im Bürger Schach Cafe (Spätherbst 2020)

Bei einer dieser Gelegenheiten traf ich Christoph und wir spielten vier freie Partien, die am Ende 1 ½ : 2 ½ für Christoph ausgingen. Vor allen beeindruckte mich seine Entschlossenheit aus jeder Partie das letzte herauszuholen und selbst in scheinbar ausgeglichen Stellungen das Feld so lange umzugraben, bis die Ernte eingefahren war.

Als ich Ihn drei Monate später fragte, ob er Lust hätte, beim Online Schachclub mitzuspielen, willigte er zu meiner Überraschung ohne Zögern ein das 1. Brett in der neu gegründeten Mannschaft zu übernehmen. Dies erwies sich als Glücksgriff, denn der Erfolg des Online Clubs ist zum guten Anteil Christoph’s Verdienst, ohne das super Engagement aller schmälern zu wollen.

Beim 2:2 Sieg im Viertelfinale gegen SchVgg Blankenese II – wir gewannen wegen der besseren Brettwertung – durften wir Christoph mal wieder in bester Spiellaune erleben. Nach dem Zug 19. … Se4 von Christoph steht die Stellung ausgeglichen.

Scheele, M. (1908) – Wozniak, Christoph (1996)
Londoner System, Stellung nach 19. … Se4

In der Stellung fällt auf, dass die weißen Bauern auf den gleichen Feldern stehen, wie der weiße Läufer. Der weiße Läufer kann die schwarzen Bauern auf weißfeldrigen Feldern daher nicht direkt attackieren. Der Engine gibt hier den Turmtausch 20. TxT … als beste Variante an, was zu einer ausgeglichenen Stellung führt.

Ich selbst hätte den Zug instinktiv abgelehnt, da er dem Schwarzen die offene a-Linie überlässt. Der Führer der weißen Steine sah dies wohl genauso und spielte 20. Db2 … mit leichtem Nachteil für Weiß.

Zwei Züge später macht sich nun seinerseits der Weiße mit 22. Ta3 … daran, die a-Linie in Beschlag zu nehmen, was Schwarz mit 22. … Ta4 pariert.

Es gab an dieser Stelle zahlreiche Züge (z.B. 22. Kf2) …) für den Weißen, die zu ausgeglichenem Spiel führen. Der Zug 28. Sb2 …, den der Weiße wählte, sieht logisch aus, denn er attackiert den starken Freibauern auf a5. Weiß übersah jedoch die Gegendrohung 28. … Sh5 mit Eindringen der schwarzen Dame über das Feld e2 und unmittelbaren Mattdrohungen gegen den Weißen König. Für Materialgewinn reichte die Zeit nicht mehr. Die Partie ist von da an überraschenderweise für Weiß verloren. Als Weiß versucht mit 30. Sd3 … zurückzurudern, ist es bereits zu spät.

Wenig später, nach 35. … Dc2+, geht das Haus in Flammen auf …

… und der Weiße hisste nach dem 45. Zug die weiße Fahne. Ein überzeugender Sieg von Christoph. Als Jochen wenig später am 2. Brett nachlegte, war der Wettkampf, der 2:2 endete, aufgrund der besseren Berliner Wertung, für den Online Club bereits entschieden.

In der Partie am 2. Brett hatte Jochen in der Brayer Variante der Caro-Kann Verteidigung mit Weiß einen Bauer für Initiative geopfert.

Jochen Schöttger (1929) – B. Riering (1919)
Stellung nach 17. … f6

Hier führen bereits vielen Wege nach Rom, wobei der von Jochen gewählte, laut Engine, noch der Fünftbeste war. Sofort entschieden hätte 18. Sg6 … mit Materialgewinn. Es folgte 18. LxSb8 TxSb8 19. Sc6 mit Qualitätsgewinn bei einem Minusbauern. In einer Stellung T gegen S + Bauer dauerte es dann noch über 30 Züge, ehe der Weiße den Sack zumachte. Eine Kombination aus Wagemut (Bauernopfer), Kombination und Ausdauer, die sich am Ende bezahlt machte.

Die beiden letzten Partien von Mirko und Karsten, durchaus chancenreich, gingen nach langem Kampf etwas unglücklich verloren, waren aber für den Ausgang des Matches nicht mehr entscheidend. Ein Viertelfinale auf bestem Niveau mit spannenden kampfbetonten Partien, so wie man es sich wünscht.

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