Was müssen Schachvereine tun, damit Mitglieder den virtuellen Clubraum gerne besuchen?

Ein Erfahrungsbericht

Seit Gründung der DSOL 2 Mannschaften des Online Schachclubs Bremerhaven im Dezember 2020 hat der Club regelmäßig an den DSOL-spielfreien Tagen Spielabende auf Lichess/Discord für die Jugendmannschaft organisiert. Gelegentlich haben wir an den Online-Vereinsabenden des SC Stotel teilgenommen bzw. vice versa.

Das Interesse am Clubabend meines Vereins für die Mitglieder des Teams I war von Anfang an gering, da sich die Mannschaft aus Spielern unterschiedlicher Vereine zusammensetzt. Mit Michael Breitschuh von den Schachfreunden Leherheide und Mirko Diehl vom SC Stotel habe ich mich häufiger zum Thema Online Schach ausgetauscht.

Von mehreren Seiten war zu hören, dass das Interesse der Vereinsmitglieder an den Online Spielabenden gering ist. Meist sind die Online-Veranstaltungen schwach besucht. Dennoch kann ich von spannenden Erlebnissen berichten.

Sehr gut gefallen hat mir Mirkos Format der Beratungspartien (auf Discord/Lichess), wo wir mit mehreren Spielern jeweils eine Partie gegen einen möglichst starken Gegner auf Lichess Schnellpartien gespielt haben und die Züge vor Vollzug jeweils gemeinsam auf Discord analysiert haben. Es ist Übrigens nicht immer ein Vorteil für die Gruppe, denn die Abstimmung führt natürlich auch zu Reibungsverlusten. Ich denke das eignet sich gut für Spielabende mit zwei bis vier Teilnehmern.

Regelmäßig habe ich vor allem mit den Jugendlichen unseres Clubs Ihre Partien aus dem letzten DSOL Spiel durchgesprochen und unter Zuhilfenahme von Stockfish bessere Alternativen analysiert. Vor allem hat das gezeigt, dass hier jede Menge bester Gelegenheiten ausgelassen wurden. Leider ist das Format nicht sonderlich beliebt, da man nicht gerne aus eigenen Fehlern lernt, sondern diese am besten gleich wieder vergisst und sich in neue Abenteuer stürzt.

Gelegentlich habe ich es auch mal Schnellschachpartien Simultan (10 min + 5 sec, 5 min Zeitzuschlag für den Simultanspieler) gegen zwei bis vier Jugendliche auf Lichess gespielt. Oft haben dann die Jugendlichen gewonnen; häufig am Ende durch Zeitnot.

Einmal haben wir es mit einer Online – Blindpartie probiert, die am Ende remis ausging. Das Problem war, dass die Stellung mehrfach korrigiert werden musste, weil eine Figur auf einem falschen Feld gelandet war. Offensichtlich kann es zum Problem werden, wenn Züge mündlich ‚Sf3‘ angesagt werden und vorher ein Springer auf Sg1 und ein zweiter Sd2 steht, weil dann die Gefahr einer Verwechslung besteht.

 Am beliebtesten ist das Format: Wir machen ein kleines Schnellschach-Turnier. Nur leider ist da das Problem, dass der Zuspruch zum Vereinsabend (Online) bei kleinen Vereinen gering ist, sich meist die gleichen Verdächtigen treffen, was dann auf Dauer zu einer eingeschränkten Dynamik führt. Viele klassische OTB Mitglieder der Vereine haben leider immer noch das Problem, die technische Hürde mit dem Computer zu nehmen. Dass man lieber mit Figuren spielt (haptisch), lassen wir an dieser Stelle mal außen vor. Geht mir genauso.

Ich darf an dieser Stelle auf ein Turnier-Angebote unseres Bremer Verbandes verweisen, das mir unser Verbandsvorsitzender, Dr. Höpfner, vor einigen Tagen zugesandt hat. Anmeldeschluss ist der 11.04. gespielt wird mit Vierer Mannschaften auf Lichess. Bedenkzeit 30 + 10. Genaueres hier. Die Teilnahme an einem Verbands-Mannschafts-Turnier mit ergänzender Analyse von Partien am Online Spielabend scheint mir ideal zu sein.

Um Online Vereinsabende für einen größeren Kreis interessant zu gestalten, brauchen wir m.E. vor allen ein Rahmenprogramm, das Online Spielabende interessanter und abwechslungsreicher macht und über mehrere Wochen vielleicht ein ganzes Quartal die Inhalte der Spielabende festlegt.

Gut fand ich z. B. dass Michael beim Simultanturnier mit Malte Colpe auch die Schachfreunde aus Cuxhaven angesprochen hat. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Cuxhaven teilgenommen hätte.

Zum Ende der Vorrunde der DSOL 2 hatten sich der Online Schachclub vorgenommen zwei hochkarätige Vereinsabende auf unserer technischen Plattform Lichess (Team BSG2020) und Discord (BSG2020) zu organisieren. Hierzu hatten ich bereits im November 2020 noch vor Gründung des Vereins Gespräche mit der Hamburger Schachschule geführt. Diese hat uns kurzfristig zusagt, dass FM Julian Kramer und IM Malte Colpe je eine Veranstaltung übernehmen.

Um es vorwegzunehmen beide Veranstaltungen waren ein positiver Beitrag für das Schachspiel in Bremerhaven. Ich danke Julian und Malte herzlich. Beiden Veranstaltungen habe ich jeweils einen kurzen Artikel gewidmet, auch um anderen Vereinen die Möglichkeit der Nachahmung zu geben.

Auf Vorschlag des HSK haben wir anstelle des kostenlosen Discord das in der Praxis etwa stabilere und einfacher zu handhabende Zoom verwendet. Für Laien sei darauf hingewiesen, dass Zoom für Basis Nutzer eine Zeitbegrenzung von 45 Minuten für Online Meetings vorsieht, was bei solchen Veranstaltungen natürlich nicht praktikabel ist. Der Zoom Premium Account für den Verein ohne Zeitbegrenzung kostet ca. 120 € pro Jahr.

Bei beiden Veranstaltungen haben Julian und Malte Ihren Bildschirm geshared und das Gesehen am virtuellen Brett online kommentiert.

Für Vereine des Bremer Schachverbandes mit Interesse an der Organisation ähnlicher Veranstaltungen möchte ich nach einem sehr freundlichen Telefonat mit unserem Verbandspräsidenten, Herrn Dr. Höpfner, darauf hinweisen, dass auch unser starker Verbandsclub, die Schachsparte von Werder Bremen, die Vereine des Landesverbandes hier unterstützt. Der Online Schachclub Bremerhaven wird in Zukunft gerne von diesem Angebot Gebrauch machen.

Ich selbst habe in Hamburg studiert und in den 80ger Jahren für einen späteren Bundesliga Klub, ‚Schachklub Norderstedt‘, gespielt. Daher liegt dem Online Schachclub Bremerhaven ein guter Kontakt zu beiden Vereinen, Werder Bremen und dem Hamburger Schachklub, am Herzen.

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