Ziele des Vereins

Der Online Schachclub – Bremerhavener Schach-Gesellschaft seit 12/2020 in ein gemeinnütziger, nicht eingetragener Schachverein im Herzen der Seestadt.

Im Mannschaftsschach streben wir eine Kooperation mit anderen Bremerhavener Schachvereinen an, um uns in der Saison 21/22 an Mannschaftswettbewerben des Landesverbandes Bremen zu beteiligen. Dieses Ziel ist mittlerweile durch die Spielgemeinschaft Stotel/Loxstedt/Bremerhaven (SLB2021.de) mit Mannschafften in der Stadtliga und C-Klasse erreicht. Ferner möchte wir eine Bremerhavener Jugendmannschaft für Wettbewerbe des LSB stellen, suchen aber im Moment noch nach interessierten Jugendlichen.

Auch Senioren die in Interesse am aktiven Schachsport haben, sind willkommen. Bei hinreichendem Interesse beteiligen wir uns an Senioren- oder Problemlösungswettbewerben.

Der Online Schachclub pflegt in erster Linie das klassische Schachspiel am Brett., wird aber weiter auch an Online Turnieren beteiligen. Interessierte seien auf die Seite ‚Mitglied werden‘ verwiesen.

Interview mit Peter Frei (12/2020)

J&E: „Herr Frei, Sie sind Vorsitzender des Vereins. Wie kamen Sie auf die Idee den Online Schachclub BSG zu gründen?“

PF: „Die Corona Pandemie hat auch Ihre guten Seiten. Zunächst hatten und haben wir alle Zeit, darüber nachzudenken wie wir Dinge besser machen.

Die Idee den Verein zu gründen, entstand im Herbst 2020 bei meinen Besuchen der Bremerhavener Innenstadt, dem Lösen von Schach-Rätseln und den damit verbundenen Gesprächen. Jeder der sich in Bremerhaven für Schach interessiert weiß, wo die zentrale Anlaufstelle für Schachspieler ist. Schachspieler treffen sich dort, um über Schach zu reden oder spielen. 

Es ist Ihnen bei einem Spaziergang durch die Bürger sicher nicht entgangen, dass die Stadt nach neuen Konzepten sucht, um die Innenstadt zu beleben. Der Gedanke eine Schach-Ecke zu einem Schach Café auszubauen, lag da in der Luft. Schachfreunde und ich haben in den Gesprächen im Herbst viele gute Ideen gesammelt und diese zu einem technischen Konzept verdichtet.

Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, den Verein als eine Mischung aus Online Club und klassischem Schachclub mit dem Flair eines Pariser oder Wiener Cafés in der ‚Bürger‘ zu starten.

Es soll in der Bürger inzwischen zahlreiche Räumlichkeiten geben, die in Frage kommen. Was in Bremerhaven meiner Meinung nach seit Jahren fehlt, ist ein zentraler Schach-Spielort im Herzen der Stadt.“

J&E: „Das klingt interessant. Erzählen Sie mehr.“

PF: „Es hat sich herumgesprochen: Für das Jahr 2021 erhält die Stadt Fördergelder in Höhe von 2,5 Millionen € für die Bremerhavener Innenstadt. Daher haben wir unser Schach-Café-Konzept für eine ‚Bremerhavener Schach-Gesellschaft‘ (BSG) an vielen, maßgeblichen Stellen platziert. Der Rücklauf war, wenn auch nicht durchgehend, negativ. Wenn er nicht negativ war, war er freundlich, verständig, aber letztlich unverbindlich.

Im ersten Moment hat uns diese Haltung bei den Entscheidungsträgern überrascht, denn

das Schachspiel ist in besonderem Maße geeignet, der geistigen und charakterlichen Entfaltung der Persönlichkeit und der Jugend zu dienen, aber auch bis ins hohe Alter geistige Beweglichkeit und Freude am Miteinander zu erhalten.

Anderseits befinden sich das Schachspiel, was den Grad der Vernachlässigung durch die Politik angeht, mit den anderen Künsten in bester Gesellschaft. Ich bin also nicht übermäßig enttäuscht. Alles läuft wie immer und erwartet.

Der Club wird den Gedanken ‚Schach-Café‘ im Jahr 2021 weiterverfolgen. Allerdings muss man festhalten, dass sich selbst eine sehr gute Idee nicht ohne finanzielle Mittel und auf keinen Fall allein durch marginale Mitgliedsbeiträge realisieren lässt.“

J&E: „Wie stellen Sie sich denn die Finanzierung des Vereins heute vor?“

PF: „Zunächst haben wir die Satzungsziele des Vereins radikal verschlankt. Aus dem geplanten Namen BSG wurde der ‚Online Schachclub BSG‘. Bremerhaven spielt im Moment bei diesem Konzept, wie man liest, nur eine nachgeordnete Rolle. Wir wollen potenzielle ‚Online-Schachspieler‘ als Mitglieder überwiegend aus dem Großraum Bremerhaven, aber auch darüber hinaus, ansprechen.

Damit halten wir uns die Option offen, ab 21/22 oder später oder schrittweise auch mit einer oder mehreren ‚analogen‘ Jugend-, Herren-, Damen- oder Seniorenmannschaft(en) am Spielbetrieb des DSB teilzunehmen. Für die nächsten Monate konzentrieren wir uns aber eindeutig auf Online Schach.

Natürlich sind auch hierfür die Kosten nicht gleich Null. Das Gute an der Sache ist, dass wir durch die sogenannte ‚Muskelhypothek‘ und Fördergelder, in der ein oder anderen Form schon sehr weit kommen können. Wie weit hängt wesentlich von Einsatz derer ab, die sich an der Sache beteiligen.

So suchen wir im Moment für den Vereinsvorstand einen Kassenwart und einen Spielleiter. Die finanzielle Anlaufphase für 2021 ist aber durch einen anonymen Spender gesichert.“

J&E: „Ist Online Schach nicht ein alter Hut? Das gibt es doch schon lange. Wo ist da das Neue an Ihrem Konzept?“

PF: „Online Schach auf Schachservern ist im Prinzip für das schnelle und unverbindliche Blitzschachpartie mit fünf und weniger Minuten Bedenkzeit gemacht. Einloggen, mit irgendwem spielen oder abbrechen, ausloggen. Der verdutzte Mitspieler bleibt bei spontanem und kommentarlosem Abbruch in der Regel mit einem Fragezeichen im Gesicht einsam vor dem Bildschirm zurück.

Viele der Probleme, die man bei solch unverbindlichen Schachpartien schlicht mit einer frischen Partie löst, funktionieren aber bei einer verbindlichen Ligapartie nicht. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum viele Vereinsspieler der älteren Generation, die sich noch an eine Zeit ohne Schachcomputer und Handy aber mit Schachuhr erinnern, Online Schach instinktiv ablehnen.

Wir spielen daher im Online Schachclub BSG intern überwiegend Schnellschachpartien mit 15+0 oder noch längerer Bedenkzeit. Beim DSOL Turnier wird im Modus 45+15 gespielt. Darauf bereiten wir uns im Moment in erster Linie vor.

Beim Jugendtraining geht es mir persönlich darum, interessierte Jugendliche dabei zu unterstützen, sich selbst zum aktiven Turnierspieler weiterzubilden. Das Curriculum, das ich gerade entwickle, umfasst daher neben der Spielpraxis bei Partien mit längerer Bedenkzeit, Eröffnungs- und Endspieltheorie sowie das Lösen von Schach-Rätseln und Schach-Studien. Details würden den Rahmen hier springen.

Wer reines Blitzschach liebt, hat auf den bekannten Schachservern alle Möglichkeiten. Dazu muss man nicht Mitglied in einem Schachverein werden. Allerdings wage ich zu vermuten, dass bei dieser Art von Üben zwar die Fingerfertigkeit beim Bewegen der Figuren dramatisch anwächst, die Erfolge bei längeren Partien aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit begrenzt bleiben.

Es ist kein Geheimnis, dass der Einsatz von Handy und Computer und die ständige Berieselung mit Medien-Inhalten von fragwürdiger Relevanz, dazu führt, dass die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. Das Üben der klassischen Schachpartie ist ein ideales Werkzeug, um das Halten der Konzentration auf einem Punkt und über einen längeren Zeitraum wieder einzustudieren. Von dieser Fähigkeit kann man in allen Bereichen des Lebens nur profitieren.

Ich persönlich bin der Meinung, dass ein Turnierspieler nach zwei bis drei Jahren Übung in der Lage sein sollte, eine Partie ohne Ansicht des Bretts vom Eröffnungszug bis zum Matt durchzuspielen. Dies ist nicht so erstaunlich wie es klingen mag. Schließlich kann jeder mit entsprechender Übung auch drei bis vierstellige Zahlen im Kopf multiplizieren. Leider nimmt auch das einfache Kopfrechnen bereits im Bereich einstelliger Zahlen durch den Gebrauch des Handys immer mehr ab.

Die Technik ist also in jedem Fall ein Fluch und nicht nur Segen. Es liegt aber an uns was wir daraus machen. Ich selber bin dem Computer- und Online Schach gegenüber seit vielen Jahrzehnten sehr aufgeschlossen.“

J&E: „Noch eine letzte Frage. Geht die Geselligkeit, die Vereinsmitglieder lieben, nicht beim Online Schach verloren?“

PF: „Ich hatte die Idee des Schach Café erwähnt und hoffe, dass sich insbesondere die hiesigen Spieler in der wärmeren Jahreszeit gelegentlich in der ‚Bürger‘ auf eine analoge Partie treffen. Dies wird der Verein organisatorisch mit seiner Plattform gerne unterstützen. Ob wir mit Unterstützung der Stadt zu einem eigenen Spiellokal kommen, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Bei der Frage wie man Geselligkeit auch beim Online Schach pflegen kann, können wir von anderen lernen. Ich zitiere hier mal verkürzt aus einem Erfahrungsbericht eines Hamburger DSOL 2020 Teams und fasse deren Erfahrung zusammen. So könnte es auch bei uns laufen.

„Das DSOL Turnier 2020 hat viel Spaß gemacht. Nicht nur den jeweils vier Mannschafts-Teilnehmern, die gespielt haben, sondern der gesamten Mannschaft (mit jeweils sechs bis zehn Spielern).

Die inaktiven Mannschaftmitglieder können bei der DSOL im Turnierraum von chessbase den laufenden Partien zusehen und sich zusätzlich über die Sprachkonferenz Discord zusammenfinden. Man kann also dem Spielgeschehen der vier laufenden Partien des Mannschaftswettkampfes, der ca. 90 Minuten dauert, zusehen.

Eine gute Sache ist es, wenn ein starker und redegewandter Spieler die Partien kommentiert und analysiert. So können sich alle austauschen und selber Gedanken und Ideen zum Spiel abgeben. Der Wettkampf ist dann gleichzeitig ein gutes Training für alle!“

Wie das technisch umgesetzt wird, können Sie hier nachlesen.

J&E: „Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Frei.“

Das Interview mit Herrn Peter Frei wurde von den Bremerhavener Informatik Studenten Jacob Menge und Emanuel Frei geführt.